Neues von der Menschenwürde

Also da musste ich wieder mal die Slowglasses aufsetzen. Anfang des Jahres 2012 taucht ein Video auf, das amerikanische Marines beim Urinieren auf Taliban Kämpfer zeigt. Die Welt ist empört, die Pischbruderschaft wird hart bestraft. Soweit normal.

Kein Mensch fragt sich, ob hier nicht die ganze Welt kollektiv verrückt ist. Niemand? Ich bin auf die Suche gegangen und finde doch ein paar erhellende Statements:

http://www.der-postillon.com/2012/01/nachgefragt-so-denken-die-burger-uber.html

http://www.transatlantikblog.de/2012/01/12/empoerend-us-soldaten-urinieren-auf-tote-taliban-apocalypse-now-brando-colonel-kurtz/

„Solange man der offiziellen Lesart folgt, ein Krieg könne grundsätzlich etwas Humanes sein, hat man sich schon einer schönfärberischen Illusion ergeben. Als Folgefehler kommt dann konsequenterweise die Empörung über einzelne “Entgleisungen”.

Dieser Zusammenhang ist schockierend, nicht das “Schockvideo”.“

Heimatcheck

Heut hab ich auf meinem alten Computer einen Vortragsentwurf gefunden der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Passt zu slowglass. Ich bin bis zu einem gewissen Punkt gekommen…von da an muss das wohl frisch fertiggeschrieben werden…denn ich hab den Vortrag nie gehalten.

Bemerkungen zum Heimatcheck

Ich wurde von den Veranstaltern zu einem Referat eingeladen und habe nicht nur aus Zeitgründen gezögert. Die Sache die hier passiert ist hat eine sympathische und eine schwierige Seite. Es wird – und das ist die sympathische Seite – nicht innerhalb der Grenzen des staatsbürgerlichen Bewußtseins verhandelt, sondern über es.

Das Schwierige der Sache besteht darin, daß ich eingeladen wurde, um gerade für diese kollektive Bearbeitung Alternativen aufzuzeigen. Etwa nach dem Motto: Können wir uns gemeinschaftlich in einem weniger unheimlichen Zusammenhang verorten, als es die Nation ist?

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SlowGlass liest Kronenzeitung …

… und gewinnt traurige Einblicke ins Alltagsbewusstsein, vor allem auf der Leserbriefseite. Da fordert ein gewissser Dr. Karl Hunna eine bessere Versorgung der Krankenkassen mit dem Argument: „Denn nur ein gesundes Staatsvolk ist leistungsfähig genug, Krisen zu überwinden. Eine Regierung, welche die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Menschen übersieht, verliert das Vertrauen und schwächt sich selbst.“ (8.11.2008, Seite 29)

nein, wird nicht kommentiert. Man kann ja hier weiterlesen.

SlowGlass liest Falter….

…eine Stadtzeitung in Wien und Graz. Und er fühlt sich durch einen schönen Satz des Chefredakteurs Armin Thunher insiriert, die vergessene Tradition von „Sprüche und Widersprüche“ aufzugreifen:

„Zugleich aber musste jeder Staat, um sich überhaupt gegenüber der Globalisierung handlungsfähig zu halten, sich mit anderen Staaten international zusammenschließen“.

Also diese Globalisierung ist schon etwas total Rätselhaftes.

Die Humanität der Todesspritze

Wer sich auf dieses Weblog verirrt wird es schon gemerkt haben: es geht hier um die sich selbst offenbarende Brutalität und Unerträglichkeit des alltäglichen Kapitalismus und seiner wissenschaftlichen, journalistischen und politischen Betreuer. Eine Brutalität, die einen vielleicht längst cool und abgestumpft gemacht hat angesichts der Fortschritte in Verarmung und Verrohung, die das moderne warenproduzierende System insbesondere seit den siebziger Jahren gemacht hat – also seit dem Zeitpunkt an dem laut Statistik die Indikatoren der Wohlfahrt und des Geldwachstums sich indirekt proportional zueinander entwickeln. Wers genauer wissen will der findet von Gegenstandpunkt bis Krisis eine Menge publizistischer Quellen und theoretischer Analyse.
Auch werden einige gemerkt haben dass der Autor mit Vorliebe in ein provinzielles steirisches Organ namens „Kleine Zeitung“ schaut. Die hat mich heute wieder einmal aus den Socken gehauen. Zur Pensionsaltersdebatte – der österreichische Sozialminister Buchinger hat sie nun auch in der Alpenrepublik losgetreten – titelt sie mit dem fröhlichen Header „Mit 65 ist noch lange nicht Schluss“…
Der wissenschaftliche Adlatus der österreichischen Sozialstaatsmodernisierer Bernd Marin assistiert, indem er die Aussagen des Sozialministers über die steigende Lebenserwartung wiederholt: „Wenn wir sieben Jahre länger leben, können wir nicht weiter mit 65 in Pension gehen. Das versteht ja jeder Dodel“.
Die Frage ist: wer ist hier der Dodel? Herr Marin hat seine demographischen Statistiken sicher auch hinsichtlich steigender Armut, Vermehrung von Stress am Arbeitsplatz, Verminderung medizinischer Leistungen durchforstet. Sieben Jahre sind erstens ein Durchschnittswert und nicht die Realität. Schön daß sich Reichtum auch irgendwo akkumuliert und einer erklecklichen Anzahl von Menschen ein längeres Leben garantiert – die Regel ist das jedenfalls nicht. Zweitens sollte Herr Marin auch mitbekommen haben, dass das Privileg die eigene Arbeitskraft zur gewinnbringenden Benutzung zur Verfügung zu stellen einen Nachfrager voraussetzt – und der ist mit billiger und williger Ware weltweit eingedeckt.
Weiter hinten hat Carine Kerschbaumer – „Von Mensch zu Mensch“ – daher eine viel logischere und menschliche Lösung parat. Wenn sich partout keine Finanzmittel für die Finanzierung der Altenpflege auftreiben lassen, „wäre es nur konsequent und ehrlich, wenn die Regierung für die Legalisierung der Todesspritze eintritt.“ Denn: „Das ist allemal humaner, als Pflegefälle aus Zeitgründen “ – soll ja wohl heißen Kostengründen – „ans Bett zu fesseln und künstlich zu ernähren“.
Vielleicht wollte Frau Kerschbaumer nur provozieren. Dafür spricht ihre Fortsetzung: „Unsere Minister werden natürlich aufgrund ihrer Pensionen davon nie betroffen sein. Ihre Windeln wird einmal eine 3000-Euro-rund-um-die Uhr Pflegerin wechseln. Und jene Pflegefälle, die werde Kinder noch hohe Pensionen haben werden? Da bleibt dann die Wahl zwischen Todesspritze und kostengünstigen Gitterbett“.
Tolle Wahl. Fällt vielleicht irgendjemandem auf, daß diese Produktionsweise, die vor Reichtum, Überfluß und Verschwendung nur so strotzt, überhaupt nie zur Wahl steht?